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Das "Wanduhr"-Projekt

Veröffentlicht am 26.01.2020

Die dreizeit-Idee passt, so finde ich, keineswegs nur ans Handgelenk, sondern ganz besonders gut auch an die Wand - z.B. im Büro. Mechanische Wanduhrwerke gibt es wenige, zumindest wenn man nicht an die klassische Pendel-Variante denkt. Also bestelle ich, wie schon mal geschrieben, eine Reihe von Quarz-Uhrwerken für Wanduhren. Unter anderem auch "leise", also mit schleichender Sekunde (wer mag schon das wohl bekannte laute tick-tack).

Kriterien sind für mich:

1) Lässt sich das Gehäuse gut öffnen?

2) Macht das Innenleben einen "wertigen" und zuverlässigen Eindruck?

3) Lässt sich das Werk so zerlegen, dass ich, ähnlich wie bei der Armbanduhr, durch neue Berechnung und Fertigung von Wechselrad und Stundenrad auf einen 8-Stunden-Zyklus komme?

Annähernd zehn verschiedene Werke liegen also bald auf dem Tisch und werden zerlegt. Im Prinzip sind sie sich recht ähnlich (ich bleibe jetzt mal nur bei denen mit schleichender Sekunde). Der Primärtried "schwebt" in einem Magnetfeld und dreht sich dort frei (hier neben der Kupferspule zu sehen). Erstaunlich, dass so die nötige Präzision übertragen werden kann.

 

 

Es folgen dann meist 2-3 Übersetzungen bis zum Sekundenrad (hier an der Metall-Achse zu erkennen). Von dort geht es dann über das Kleinbodenrad meist durch eine Platte Richtung Minutenrad, Wechselrad und Stundenrad.

 

 

Das Minutenrad ist meist aus robusterem Kunsttoff (hier in blaugrün) oder Metall gefertigt. Ich werde mich für ein Werk mit Metallausführung entscheiden! Das große Wechselrad und das unter dem Minutenrad liegende Stundenrad sind hier noch zu sehen. Die Übersetzung ist zweistufig: Minutenrad-Wechselrad 3:1 und Wechselrad-Stundenrad 4:1. Aus der 4:1 muss eine 8:3 werden, das klingt doch machbar. Nachdem ich mich mittlerweile in die Zahnradberechnung eingearbeitet habe und mir der Modul auch ein Begriff geworden ist (bei Zahnrädern heißt es DER Modul, nicht das Modul, auch wird es wohl auf der ersten Silbe betont, wie Montag, habe ich zumindest so gelesen) habe ich also recht schnell die nötige Konfiguration bei festem Achsabstand berechnet. Das Wechselrad ist auch schnell konstruiert, das Stundenrad hingegen ist etwas komplizierter, da es ja auch den Zeiger tragen muss. Ich drucke die Prototypen mit PLA (Poly-Milchsäure, ein Kunststoff, der aus Maisstärke gewonnen wird und von daher umweltverträglich ist). PLA ist ein schönes Material, da es jedoch temperaturanfällig ist, ist es für die Serie leider nicht geeignet. Der 3D-Drucker macht einen recht guten Job, mit einem feinen Skalpell und diversen Kleinstfeilen kann ich die Zahnräder so nachbearbeiten, dass ein glatt laufendes Zeigerwerk entsteht.

 

 

Hier mal der Vergleich der Originalteile und der neu konstruierten und gedruckten Räder. Soweit so gut. Leider ist der Wechselradtrieb nun etwas größer im Durchmesser geworden und passt nicht mehr in die Aussparung im Gehäuse. Also vergößere/entferne ich die Teile im Gehäuse - nun ist es doch auch von Vorteil, dass die Sachen aus Kunststoff sind und sich einfach bearbeiten lassen. Letztlich lässt sich das Werk also wieder zusammensetzen und das Gehäuse schließt sich friedlich mit einem sanften Klick. Batterie rein, Sekundenzeiger drauf, nix passiert. Schütteln (rappelt nix), nix passiert. Also zurück auf Start, nochmal mit der Lupenbrille jeden einzelnen Zahn inspizieren und siehe da, einer hat noch eine kleine Nase, die am Wechselrad blockiert. Und das war dann auch das Problem. Die Sekunde rennt...

 

 

Also schnell ein Zifferblatt ausgedruckt und montiert und dann mal abwarten, ob der Stundenzeiger nun tatsächlich seine angedachten 45° pro Stunde marschiert. Es funktioniert, er läuft brav und artig wie er soll, auch nach ein paar Tagen noch ganz stabil auf die Minute. Dann setzte ich mich jetzt mal ans Zifferblatt für die Wanduhr und überlege, wie ich, basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen, zu einer Serie kommen kann...

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