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Online Shop - Wirrungen

Veröffentlicht am 17.01.2021

Der shop ist nun also eröffnet, die erste Runde dreizeit-Uhren hat neue Besitzer*innen gefunden. Das war/ist alles sehr spannend und aufregend, hat aber bisher gut funktioniert. Der besondere Moment: die erste reguläre Bestellung außerhalb des Family/Friends-Kreises. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl bleibt - was denkt Kund*in beim auspacken? Ich hoffe auf zufriedene Rückmeldungen, übe mich in Geduld.

Warum gibts dreizeit-Uhren eigentlich zunächst nur in Deutschland? Gute Frage, noch bessere Antwort. Dazu möchte ich euch in den teils-absurden Regelungs-Fangorn deutschen und europäischen Verpackungs und Elektrogeräte-Rechts entführen. Keine Angst, wir bleiben auf den breiten Wegen und es ist gut möglich, dass ich nicht immer die juristisch korrekte Fach-Terminologie verwende. Es geht ums Prinzip.

Ein Wanduhrwerk ist, nach dem ElektroG, ein Elektro-Kleingerät. Hersteller bzw. In-Verkehr-Bringer solcher Geräte müssen sich in dem Land, in welchem sie es als ERSTER in Umlauf bringen, am (bzw. an einem) Entsorgungssystem beteiligen (WEEE). Das ist ja auch gut so. Nun wird der "Verkäufer" aber auch schnell zum "Hersteller", wenn er auf ein Eklektro-Prokukt z.B. seinen eigenen Namen anbringt. Beispiel: UTS fertigt für mich die Uhrwerke und verkauft sie an mich in Deutschland. Solange UTS auf dem Werk steht müssen sie dafür die Gebühren in Deutschland entrichten und nicht ich. Würde ich jetzt beim Werk die UTS-Kennung durch eine dreizeit-Kennung ersetzen, dann wäre ich auf einmal Hersteller und würde das Werk erstmals in Deutschland auf den Markt bringen. Schwups wäre ich für die Entsorgung verantwortlich. Auch spannend: Wenn ich die Batterien, welche ich den Uhren beilege, bei einem deutschen Händler kaufe, dann zahlt er die Entsorgung, kaufe ich Sie im Ausland, dann zahle ich die Entsorgung in Deutschland. Und jedes Land hat seine eigenen Regelungen bezüglich Elektrogeräten und vor allem auch bei den Batterien.

 

 

Und natürlich muss jedes Produkt auch irgenwie verpackt werden (das wiederum regelt das VerpackG). Und im Falle von Versand kommt meist ja noch eine Versand-Verpackung hinzu. Auch hierfür muss sich jede*r (online)-Händler*in zunächst registrieren und dann jedes Jahr für das Land in welches versendet wurde, genau die Mengen verwendeter Verpackungsmaterialien angeben und für deren "Recycling" bezahlen. Dazu gehören auch Angaben zu Klebeband, Polster-Materialien, Pappe, etc. - einfach alles. Auch das finde ich prinzipiell gut und richtig.

So kommen aber in Deutschland im Jahr schnell einige hundret Euro an Gebühren zusammen (ich liege, wie wahrscheinlich die meisten kleinen Shops die eigene Produkte verkaufen, im Bereich der Mindest-Gebühren-Pauschalen). Und die armen kleinen Shops, die nur mal ein paar selbst gestrickte Socken verkaufen und von VerpackG noch nie gehört haben, riskieren Abmahnungen und bittere Strafzahlungen wenn sie sich nicht vor den ersten Verkäufen registrieren.

Das ist innerhalb Deutschlands also alles schon ein bisschen Arbeit (und man muss es halt auch einfach erst mal wissen!) - aber wie sieht es in der EU aus, wo doch alles so ein harmonischer Markt ist?

Beispiel Österreich, weil ich dort als erstes auch gerne meine Uhren anbieten möchte. Für Österreich bin ich natürlich automatisch "Hersteller", weil ich dort alles erstmals auf den Markt bringe. Und ich habe in Österreich keinen eigenen "Sitz", also keine Firmen-Adresse. Das bedeutet, dass ich zunächst einen notatriell bestätigten Bevollmächtigen (und das gilt dann für jedes weitere Land genau so) benennen muss (das kostet etwa 800-1000 Euro pro Jahr). Die kleinste Pauschale für Elektro-Altgeräte liegt bei 5 Tonnen und für Verpackungen bei 1,5 Tonnen - wenn ich die sprengen würde bräuchte ich wohl keinen anderen Job mehr ;-). Auch hier kullern also wieder ein paar Hunderter pauschal vom Konto. Möchte ich also Uhren nach Österreich verkaufen, dann kostet mich das zunächst mal knappe 1500€ an pauschalen Gebühren PRO JAHR. Selbst wenn es nur um eine oder eine handvoll Uhren geht. Und für jedes weitere Land sieht es ähnlich aus. Für große Händler vielleicht alles Peanuts, aber für kleine Direkt-Vertriebe schon ein großes Risiko...

Und es gibt halt keine allgemeine EU-Regelung, weder für Verpackungen, noch für Elektro-Geräte oder Batterien. Ich hätte wohl gedacht/gehofft, dass man sich irgendwo zentral registrieren kann, die Gebühren bezahlt und dann zumindest mal frei innerhalb der EU verkaufen kann. Pustekuchen. Ob wirklich die ganzen kleinen online-Shops, die EU-weit versenden, das auf dem Schirm haben oder wie viele aus Unwissenheit hier mit einem Fuß im Abmahnungs-Sumpf stehen?

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